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31/05/2024

NSU

Gründungsjahr 1873-1977

NSU

Die NSU Motorenwerke AG, kurz NSU, war einer der bedeutendsten deutschen Automobil- und Motorradhersteller des 20. Jahrhunderts. Ihre Geschichte reicht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Das Unternehmen wurde 1873 in Riedlingen von Christian Schmidt als Strickmaschinenwerkstatt gegründet. Kurz darauf zog es nach Neckarsulm um, der Stadt, von der sich das Akronym NSU ableitet. Ende des 19. Jahrhunderts gab das Unternehmen die Textilproduktion schrittweise auf und konzentrierte sich zunächst auf Fahrräder und dann auf Motorräder, im Vorgriff auf die zukünftige Verlagerung in die Automobilindustrie.

NSU begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Automobilbau und zeichnete sich durch Innovation und Qualität aus. Die Automobilproduktion wuchs schnell, doch Wettbewerb und Kosten führten zu Schwierigkeiten, so dass die Automobilsparte 1929 an Fiat verkauft wurde, das in Neckarsulm noch jahrelang unter der Marke NSU-Fiat Fahrzeuge produzierte. Das Unternehmen blieb stark in der Motorradindustrie engagiert und entwickelte sich zwischen den 1930er und 1950er Jahren zu einem der weltweit größten Motorradhersteller. NSU-Modelle waren für ihre Robustheit und Effizienz bekannt, und mit diesen Zweirädern wurden zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt, was das internationale Ansehen der Marke festigte.

In den 1950er Jahren kehrte NSU in den Automobilsektor zurück und brachte kompakte und innovative Fahrzeuge wie den Prinz auf den Markt, der in Deutschland und im Ausland großen Erfolg hatte. Der eigentliche Technologiesprung erfolgte in den 1960er Jahren mit der Entwicklung des Wankelmotors, bei dem NSU weltweit Pionierarbeit leistete. Das Unternehmen brachte hochmoderne Modelle wie den NSU Spider (das weltweit erste Auto mit Wankelmotor) und insbesondere den NSU Ro 80 von 1967 auf den Markt, eine futuristische Limousine, die dank ihres innovativen Designs und ihrer technischen Lösungen zum Auto des Jahres gekürt wurde. Die Komplexität und die immer noch begrenzte Zuverlässigkeit des Wankelmotors führten jedoch zu ernsthaften finanziellen Problemen und belasteten die Bilanz des Unternehmens erheblich.

1969 fusionierte NSU mit Audi, das wiederum Teil des Volkswagen-Konzerns war. Dies markierte das Ende der Unabhängigkeit der Marke: Die Produktion von NSU-Modellen wurde Anfang der 1970er Jahre schrittweise eingestellt, während das Werk Neckarsulm vollständig in Audi integriert wurde und zu einem der wichtigsten Standorte des Konzerns wurde. Seitdem ist der Name NSU aus dem Automobilbereich verschwunden, doch sein Erbe lebt in technischen Innovationen, der Geschichte des Motorradfahrens und seinem Einfluss auf das moderne Audi weiter.

Heute gehört die Marke NSU noch immer zu Volkswagen und wird nicht mehr kommerziell genutzt, doch ihre Erinnerung wird von Sammlern, Enthusiasten und Museen bewahrt. Die historischen Motorräder, der Prinz und der visionäre Ro 80 gelten als Ikonen eines Unternehmens, das mit Mut und Einfallsreichtum entscheidende Kapitel in der Entwicklung von Automobil und Motorrad geschrieben hat.