Die Geschichte des Automobilherstellers Peugeot zählt zu den faszinierendsten und traditionsreichsten der Welt. Ihre Ursprünge reichen weit vor die Erfindung des Automobils zurück und reichen bis in eine französische Industriellenfamilie, die sich der Herstellung verschiedener Produkte widmete.
Die Ursprünge (1810–1889): Von Mühlen zu Fahrrädern
Alles begann 1810, als Jean-Pierre und Jean-Frédéric Peugeot eine Wassermühle in Sous-Dung (Département Doubs, Frankreich) in eine Stahlgießerei umwandelten. Zunächst konzentrierte sich das Unternehmen auf die Produktion von Walzstahl, Sägen und Tischlerwerkzeugen, später auch auf Kaffeemühlen, Pfeffermühlen und Schürzenrahmen. Der berühmte aufgerichtete Löwe, Symbol für die Widerstandsfähigkeit und Robustheit der Peugeot-Produkte, tauchte erstmals 1858 auf.
Ende des 19. Jahrhunderts expandierte das Unternehmen in neue Geschäftsbereiche und produzierte Fahrräder (das erste, das „Grand-Bi“, stammt aus dem Jahr 1882) und Dreiräder. In dieser Zeit begann Armand Peugeot, ein Visionär und Enkel von Jean-Pierre, sich für das Automobil zu interessieren.
Die Geburt des Automobils (1889–1913): Die Ära der Pioniere
Der eigentliche Wendepunkt kam 1889, als Armand Peugeot auf dem Pariser Autosalon den „Typ 1“ vorstellte, ein dampfbetriebenes Dreirad, das er zusammen mit dem Ingenieur Léon Serpollet entworfen hatte. Obwohl die Dampfmaschine damals am weitesten verbreitet war, erkannte Armand, dass die Zukunft im Verbrennungsmotor lag.
1890 entwickelte Peugeot dank einer Vereinbarung mit dem Ingenieur Gottlieb Daimler den „Typ 2“, sein erstes benzinbetriebenes Automobil. Es war ein vierrädriges Fahrzeug mit einem Zweizylinder-V-Motor und markierte den Beginn der (wenn auch begrenzten) Massenproduktion.
Der „Typ 3“ (1891) war das erste verkaufte Peugeot-Auto und nahm am ersten Langstreckenrennen, dem Paris-Brest-Paris, teil. 1896 gründete Armand Peugeot die „Société Anonyme des Automobiles Peugeot“ und trennte damit die Automobilproduktion von der traditionellen Produktion. Das neue Unternehmen konzentrierte sich auf die Entwicklung und Produktion von Kraftfahrzeugen und eröffnete neue Fabriken in Audincourt und Beaulieu.
Kriege und Wachstum (1914–1945): Innovation und Widerstandsfähigkeit
Während des Ersten Weltkriegs stellte Peugeot auf die Produktion von Rüstungsgütern, Flugzeugmotoren und Militärfahrzeugen um. Nach dem Konflikt nahm die Automobilproduktion wieder Fahrt auf und brachte beliebte Modelle wie den „Typ 177“ und die „Quadrilette“, einen kleinen, erschwinglichen Wagen, auf den Markt.
In den 1920er Jahren führte Peugeot die Fließbandproduktion ein und etablierte sich als einer der führenden Automobilhersteller Frankreichs. Innovative Modelle wurden auf den Markt gebracht, wie beispielsweise der „201“ im Jahr 1929, das erste Auto der Welt mit dreistelliger Nummerierung mit einer zentralen „0“ (ein System, das bis heute verwendet wird).
Der Zweite Weltkrieg zwang das Unternehmen, die zivile Produktion erneut einzustellen. Fabriken wurden besetzt und beschädigt, doch Peugeot erholte sich nach dem Krieg schnell und produzierte den „203“, ein modernes und robustes Auto, das die Wiedergeburt des Unternehmens symbolisierte.
Das goldene Zeitalter und die Expansion (1946–1974): Design und Zuverlässigkeit
Die 1950er und 1960er Jahre waren für Peugeot eine Zeit großen Erfolgs. Der von Pininfarina entworfene „403“ (1955) war das erste in Serie produzierte Dieselauto in Frankreich und wurde zu einer Stilikone. Weitere erfolgreiche Modelle wurden auf den Markt gebracht, wie der „404“ und der legendäre „504“, der 1969 zum „Auto des Jahres“ gekürt wurde.
In dieser Zeit expandierte Peugeot auch international und eröffnete Tochtergesellschaften und Werke weltweit.
Die PSA-Gruppe (1975–2020): Allianzen und Erfolge
1975 übernahm Peugeot Citroën und gründete die „PSA-Gruppe“ (Peugeot Société Anonyme). Die Allianz ermöglichte es den beiden Marken, Plattformen und Technologien zu teilen und gleichzeitig ihre eigenständigen Identitäten zu bewahren.
Die Ära des PSA-Konzerns war geprägt von äußerst erfolgreichen Modellen. In den 1980er-Jahren revolutionierte der „205“ (1983) das Kleinwagensegment und erzielte enorme kommerzielle und sportliche Erfolge (Gewinn der Rallye-Weltmeisterschaft und der Rallye Paris-Dakar). In den 1990er-Jahren bestätigten der „306“ und der „406“ die Führungsposition von Peugeot auf dem europäischen Markt.
Im neuen Jahrtausend kamen erfolgreiche Modelle wie der „206“, der „307“ und der „3008“ auf den Markt, die sich in ihren jeweiligen Segmenten etablierten. Peugeot engagierte sich zudem in der Entwicklung von Hybrid- und Elektrotechnologien und brachte Fahrzeuge wie den „iOn“ und den „508 Hybrid“ auf den Markt.
Die neue Ära: Stellantis (2021–heute)
Im Jahr 2021 fusionierte die PSA-Gruppe mit Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und schuf so Stellantis, den weltweit viertgrößten Automobilkonzern nach Absatzvolumen. Diese Fusion eröffnete Peugeot neue Möglichkeiten, da Technologien, Plattformen und Märkte global geteilt werden konnten.
Peugeot zeichnet sich auch heute noch durch sein markantes Design, seine Spitzentechnologie und sein Engagement für nachhaltige Mobilität aus.