Die Geschichte von Vanden Plas reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als Guillaume Van den Plas 1870 in Brüssel das Karosseriebauunternehmen gründete, das sich zunächst auf den Bau von Luxuskutschen spezialisierte. Mit dem Aufkommen des Automobils passte sich das Unternehmen rasch den veränderten Bedürfnissen des Marktes an und zeichnete sich durch die Herstellung edler, maßgeschneiderter Karosserien für prestigeträchtige Fahrgestelle wie die von Rolls-Royce, Bentley, Alfa Romeo, Delage und Talbot aus. Dank der Liebe zum Detail, der hochwertigen Handwerkskunst und der eleganten Linienführung etablierte sich die Marke als eine der renommiertesten in der europäischen Luxus-Karosseriebauszene. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts expandierte das Unternehmen auch nach Großbritannien, wo sich Vanden Plas (England) 1923 Ltd. als einer der führenden englischen Karosseriebauer etablierte, mit den renommiertesten Marken zusammenarbeitete und zum Synonym für Exklusivität wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als unabhängige Karosseriebauer allmählich verschwanden, wurde Vanden Plas von der Austin Motor Company übernommen, die den Namen zur Kennzeichnung der Luxusversionen ihrer Modellpalette verwendete. In den 1950er und 1960er Jahren machten Modelle wie der Austin A105 Vanden Plas, der Princess 4-Litre und die High-End-Varianten von Austin, Wolseley und Rover die Marke auf dem britischen Markt zum Synonym für Komfort, Liebe zum Detail und Prestige. In dieser Zeit trat Vanden Plas auch an Jaguar und Daimler heran und schuf besonders luxuriöse Versionen wie die Daimler DS420 Limousine, die jahrzehntelang als offizielles Fahrzeug für Zeremonien, Staatsbegräbnisse und den Transport von Regierungschefs und Mitgliedern des Königshauses diente. In den 1970er Jahren, mit der Geburt des Riesen von British Leyland, wurde die Marke schrittweise in die Gruppe aufgenommen und der Name Vanden Plas wurde weiterhin als Flaggschiff-Ausstattung für verschiedene Modelle von Jaguar und Rover verwendet. In den 1980er und 1990er Jahren verlor der Name Vanden Plas aufgrund der Krise der britischen Automobilindustrie und der Marktveränderungen allmählich seine ursprüngliche Identität als unabhängiger Karosseriebauer und wurde zu einer Marke, die lediglich die exklusivsten Versionen der vor allem in Nordamerika verkauften Jaguar-Modelle kennzeichnen sollte. Mit der Übernahme von Jaguar durch Ford und später durch Tata wurde die Verwendung des Namens schrittweise reduziert, bis er schließlich verschwand. Zurück blieb die Erinnerung an einen Namen, der über ein Jahrhundert lang für Luxus und Eleganz im europäischen Automobilbereich stand. Heute lebt Vanden Plas in der Geschichte als eine der symbolträchtigen Marken der Karosseriebaukunst weiter, die von den eleganten Sonderanfertigungen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts bis hin zu den Executive-Ausstattungen und Prestigeversionen einiger der berühmtesten britischen Modelle reichte und ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des Automobils verkörperte.